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20.09.2017 14:32

SVP Hamburg beim Finkenwerder Inselcup

Am Samstag, 16.09.17, fand wieder der traditionelle Inselcup im Jujutsu-Fighting in Finkenwerder statt. Die Budoabteilung der Sportvereinigung Polizei Hamburg trat mit 1 Kämpferin und 7 Kämpfern an den Start. Levin hat den Tag souverän gecoacht und mit den Ergebnissen kann man sehr zufrieden sein. Tolle Leistung von allen und ein guter Start für die Saison 2018 ist gemacht.

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14.09.2017 16:50

Neue Kurse für BJJ und Yoga in der SVP Hamburg

Ab sofort können Jugendliche ab 10 Jahren donnerstags von 16.00 bis 17.30 Uhr BJJ und Ne-Waza im Dojo 2 trainieren. Das Trainerduo Jannina und Jacob freut sich auf die Nachwuchsausbildung in der Sportvereinigung Polizei Hamburg.
Außerdem findet ab dem 09.10.2017 immer montags ein zusätzlicher Yoga-Kurs von 18.00 bis 19.00 Uhr im Dojo 4 statt. Unsere neue Yoga Trainerin Kamala Sharma freut sich auf rege Teilnahme.

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Draußen hat auch keiner Mitleid: Selbstverteidigungskurs für Frauen in der SV Polizei Hamburg

Schlagen und Schreien, wie lernt man das?

Bericht der Teilnehmerin Heide Fuhljahn über den Selbstverteidigungskurs für Frauen in der SV Polizei Hamburg.

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(Foto, Benjamin Schwarcz):Wehren für Fortgeschrittene: Die Hände des Gegners sichern, dann mit Schmackes zutreten.

Die skeptische Frage lautet ja immer, ob so ein Kurs in der Realität was bringt. Die Antwort: Sieben Streifenwagen, 15 Polizisten – in zehn Minuten vor Ort.

 

Mittwochabend. Die anderen Frauen und ich gehen nacheinander, zögernd, eine Runde um das Budocentrum des Sportvereins Polizei Hamburg (SVP). Wie vereinbart greifen uns die beiden Trainer – mit schwarzer Schutzkleidung gepolstert – spontan aus der Dunkelheit an. Ziehen uns an den Haaren, drücken uns an die Wand. Wir reagieren, wie sie es uns beigebracht haben: Wir wehren uns. Wir treten, wir schlagen – und vor allem brüllen wir. „Lassen Sie mich in Ruhe! Hilfe! Verschwinden Sie!“ Von Adrenalin geflutet, bekommen wir nicht mit, was sich parallel am Eingang abspielt: Ein Streifenwagen nach dem anderen fährt vor, Polizisten laufen mit Taschenlampen und gezogenen Pistolen die Treppe hinauf. Denn mehrere Anwohner hatten besorgt die 110 gewählt. Zwischen ihnen und uns lagen etwa 700 Meter, inklusive U-Bahn-Trasse und Schrebergarten. Sehen konnten sie uns im Dunkeln nicht. Aber hören.

Die meisten Opfer von Gewalttaten sind Männer

Sechs Wochen zuvor. Mit zwanzig mir unbekannten Frauen treffe ich mich im Dojo 1. Sie sind zwischen 20 und 65 Jahre alt, tragen Neon-Leggings oder ausgebeulte Jogginghosen. Wie wir uns effektiv verteidigen können, wollen uns zwei Männer beibringen. Der sehnige Christian, 59, mit dem 4. Meistergrad im Ju-Jutsu. Und der lausbübische Michi, 49, ebenfalls mit schwarzem Gürtel. Sie beginnen mit überraschenden Fakten: 75 Prozent der Opfer von Gewaltdelikten sind Männer. Abgesehen von „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“, da sind die Opfer überwiegend Frauen. Wir erfahren, dass Sexualdelikte in der Statistik des Hamburger LKA nicht mal ein Prozent ausmachen. Allerdings bildet die Statistik nur die angezeigten Taten ab, nicht das Dunkelfeld.

Keine muss sagen, warum sie hier teilnimmt

Michi stellt Petra vor. Sie wirkt mädchenhaft, lächelt einladend und hat ebenfalls den schwarzen Gürtel. Von Männern angegriffen zu werden ist realitätsnah, aber auch beängstigend. Deshalb baut Petra Brücken und gibt Rückhalt. „Warum ihr hier seid, müsst ist nicht erzählen“, sagt Michi. „Hier muss sich keiner outen. Wenn euch etwas zu viel ist, macht einfach eine Pause.“

Es folgt ein Kennenlern-Ringelrein, die ersten kichern. „Wir zeigen euch einfache Techniken“, erklärt Christian. „Erfahrene Kampfsportler haben natürlich mehr Möglichkeiten. Aber selbst Jean-Claude van Damme würde sich auf der Straße nicht um die eigene Achse drehen und dann zum Kopf treten. Das macht der nur im Film.“ Das Kichern nimmt zu. „Ihr könnt keinen Mann K.o. schlagen“, sagt Christian. „ABER K.O. SCHREIEN! DIE STIMME IST EURE STÄRKSTE WAFFE.“ Er brüllt von einer Sekunde auf die andere, so laut, dass es sich anfühlt, als würde uns eine Windmaschine an die Wand fegen. Wir zucken kollektiv zusammen. Stille.

Die Stimme ist alles

Dann üben wir die Lautstärke untereinander. „Stopp“ kommt mir albern vor, ich suche nach Alternativen. Dazwischen gehen Christian und Michi abwechselnd in bedrohlicher Haltung auf jede einzelne zu. Wir sollen die Hände nach vorn strecken und brüllen. Die meisten Frauen stehen da wie Fragezeichen. „Ihr könnte der erste Kurs nach zehn Jahren sein, der jetzt nicht lächelt“, ruft Michi. Wir lachen. Schon bin ich an der Reihe. Ohne es bewusst zu steuern, neige ich den Kopf zur Seite – und lächle Michi entgegen. Und ich dachte immer, ich sei emanzipiert und selbstbewusst?! Tja. Selbst als Michi mich anpöbelt, lächle ich noch. Nicht zu fassen! „Schrei ihn an“, sagt Petra. Äh, ja.

Die Grenzen der Selbstverteidigung

Auch an den nächsten Abenden wechselt sich Theorie mit Praxisberichten und Übungen ab. „Gegen eine Schusswaffe oder ein Messer habt ihr keine Chance“, erklärt Christian. „Aber neun von zehn Frauen, die sich gewehrt haben, konnten den Täter in die Flucht schlagen.“ Beeindruckend. Und so geben wir uns Mühe, klare Grenzen zu setzen. In der Praxis ist das schwierig. Christian legt den Arm um meine Schultern, fängt an zu plaudern und schlendert mit mir in die Ecke. Ich sage, mittellaut, dass ich das nicht möchte. „Warum denn nicht?“, fragt er ganz lieb – und jetzt ist sein Arm an meinem Hals. Ich fühle mich gleichzeitig geschmeichelt und bedroht und fange an zu stammeln. „Äh, also, na ja, ich … also: darum?!“ Christian nickt und donnert los: „Warum nicht? Darum nicht! Lasst euch nicht volllabern! Die meisten Straftaten gegen Frauen beginnen freundlich. Über 70 Prozent der Opfer kennen den Täter. Und je dichter ein Mann kommt, desto gefährlicher wird er.“ Michi hakt ein: „Ihr entscheidet, wer euch nahe kommen darf, ohne Begründung.“ Klingt richtig, die Praxis müssen wir sehr üben. Unhöflichkeit ist für viele Frauen schlimmer, als in einen Hundehaufen zu treten.

Besonders schwierig: Freundliche Angreifer

Die Übungen werden fordernder. Würgeangriffe; die kleinen Frauen werden hochgehoben. Jetzt auf die Ohren schlagen! Wir simulieren Weihnachtsfeiern und Busfahrten. Ohne Vorwarnung macht Petra das Licht aus und wir müssen uns im Dunkeln verteidigen. Die Panik steigt sprunghaft. Inzwischen entschuldigen uns nicht mehr nach jedem Tritt. „Selbstverteidigung ist immer Gewalt, tut immer weh“, sagt Christian dazu. „Aber wenn ihr davonkommen wollt, müsst ihr der Gefahr ins Auge sehen! Draußen hat auch keiner Mitleid – es gibt nur er oder ich.“ Manchmal fühlt es sich toll an, entschlossen zuzutreten. Aber spätestens bei den Angriffen am Boden merke ich, dass Christian und Michi recht haben: Flucht ist immer die sicherste Strategie.

Das Übel an der Wurzel packen

Das merke ich am letzten Abend, bei der Außenübung. In der Dunkelheit, unter Stress und mit rutschender Jeans kann ich bestimmte Techniken nicht abrufen. Auch dauert das Gerangel viel länger, als mir lieb ist. Aber treten und brüllen kriege ich hin – und als ich hinterher von dem Polizeieinsatz erfahre, gehe ich gestärkt nach Hause. Ich denke an die Tochter einer Freundin, sie ist zwei Jahre alt. Sie sagt ohne Mühe: „Mama: Nein! Papa: Nein! Baby: Nein! Auch schreit sie regelmäßig das ganze Haus zusammen. Wir sollten es ihr nicht zu sehr abgewöhnen.

 

Heide Fuhljahn

Juni 2015